Die Freundinnen der Kunst sind Meisterinnen der Inszenierung. Als Kollektiv arbeiten sie Themen, vorgegebene oder gesellschaftlich aktuelle und brisante, auf, oft mit langer Entwicklungszeit und setzen sie in einer Inszenierung um. Das kann mit einem Video sein, oder als einmaligen Event im öffentlichen Raum. Übrig bleibt dann meist nur eine Dokumentation des Ereignisses. Die Ausstellung „Eine Leiter lehnt hinter der Tür im Damen-WC“ in der Galerie Forum in Wels vermittelt eindrucksvoll die Vielseitigkeit und Reichhaltigkeit ihres Schaffens.
Die Freundinnen der Kunst erarbeiten sich die Themen immer gemeinsam als Kollektiv, oft sind es lange Vorarbeiten, die für die Konzepterstellung nötig sind. Der harte Kern sind die ständigen Mitglieder, es werden auch temporäre Freundinnen für einzelne Projekte eingeladen. Sollten es Männer sein, werden sie für die Dauer des Projektes ebenfalls zu Freundinnen der Kunst ernannt.
Zu ihrem Repertoire zählen einerseits Inszenierungen, die bereits als Videoproduktion konzipiert sind, wie z.B. SYNCHRONSTRICKEN, das die Situation von Frauen zwischen Tradition und Selbstverwirklichung thematisiert. Es wurde zum Selbstläufer bei den Queer -Artfestivals, da es als Musikunterlage den Song ‚Dominique‘ hat und dies eine Hymne der Queer-Szene ist, was sie zur Zeit der Produktion noch nicht wussten.
Mit dem Thema Befreiung setzt sich TRÄNEN.HIMMEL.SEHNSUCHT auseinander. Drei Inszenierungen an drei verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeiten. Als verbindendes Element das Brautkleid. TRÄNEN: in der Psychiatrie in Steyr schnitten die Freundinnen der Kunst in Hochzeitskleidern sechs Stunden lang Zwiebeln inmitten des normalen Betriebes. Tränen bringen Problembewusstsein. HIMMEL: am Dach der OK in Linz springen sie in Hochzeitskleidern 30 Minuten lang auf einem großen Trampolin, möglichst synchron auf gleiche Höhe. Springen als Entfesselung. SEHNSUCHT: Im Hochzeitskleid rudern sie über einen halbleeren Swimminpool von einem Ufer zum anderen. Nach dem Rudern kommt die Befreiung. Diese Trilogie ist fotografisch und mit Videos dokumentiert.
Zum Thema Angst:
Zur Eröffnung des Höhenrausch 16 ‚Andere Engel‘ inszenierten sie SKYBLOW. Mit viel Luft und Lärm aus unzähligen Laubbläsern vertrieben sie, verteilt auf die umliegenden Dächer unter der Leitung eines Dirigenten mit einem Laubblaser-Konzert die Bösen Geister. Sie öffneten damit den Himmel und das Denken, bereiteten so den Engeln den Einzug.
Dies sind nur einige Beispiele der reichen Schaffenskraft der Freundinnen der Kunst. In der Ausstellung kann mit Hilfe von begleitenden Texten und Videos alles erkundet werden. Manches ist ernst, vieles ist vordergründig heiter, regt jedoch immer zum Nachdenken an. Man nehme sich ausreichend Zeit, die Freundinnen der Kunst sind nämlich tiefsinnig.
Noch ein Ausblick auf ein Projekt 2017: DA SEIN. Diese sechs Buchstaben wurden bereits in einem Projekt realisiert, mit einem Film über die Entstehung dieser überdimensionalen roten Großbuchstaben und einem Buch zum Film. Nachdem die Freundinnen der Kunst in Raum Linz bereits wohl etabliert sind, sich der Rest von Österreich aber wenig um sie kümmert, werden sie sich jetzt um Österreich kümmern und mit den DA SEIN Buchstaben per Bahn durch Österreich reisen, zu ausgesuchten Museen und ihnen eine Schenkung überreichen. Dieses Erlebnis mit den sich ergebenden Themen wird wohl in einer nächsten Ausstellung gut dokumentiert und zusammen mit anderen Projekten, die sich dabei aufgetan haben, präsentiert werden.
Text und Fotos: Antonia Zimmermann
bis 25. Februar 2017 / Mi – Fr 16 – 19 Uhr +Sa 10 – 12 Uhr
www.galerie-forum.at
www.freundinnenderkunst.at